Tinnitus-Therapie
Stand: August 2010
Neurostimulation bringt Hilfe bei Tinnitus.
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung leiden an Tinnitus. Laut Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich liegt die Ursache für die beeinträchtigenden Ohrgeräusche in Fehlsteuerungen im Gehirn, bei denen Nervenzellen übermäßig und gleichzeitig Signale abfeuern statt gezielt und nacheinander.
Prof. Tass erprobt derzeit ein neuartiges Verfahren, mit dem er das synchrone Feuern der Nervenzellen unterbindet. Mittels eines mathematischen Stimulationsalgorithmus, dem sogenannten Coordinated Reset (CR), wird der ungewollte Gleichtakt der Nervenzellen gezielt gestört. Die Frequenz des störenden Tinnitus-Geräusches wird ermittelt. Daran individuell angepasst schickt der CR sodann zu verschiedenen Zeiten schwache akustische Reize an die krankhaft überaktiven, hochsynchronen Nervenzellverbände und führt sie so nachhaltig in ein "gesundes Chaos" zurück. Die bisherige Erprobung des Verfahrens hat meist schon nach wenigen Wochen eine deutliche Linderung der Ohrgeräusche ergeben.
Mit der Firma Adaptive Neuromodulation (ANM), einer Ausgründung aus dem Forschungszentrum Jülich, will Prof. Tass das Behandlungsverfahren in die Praxen bringen. Sie hat bereits im Februar 2010 die europäische Zulassung für den streichholzgroßen Neurostimulator T30CR zur Tinnitus-Therapie erhalten. Die Kostenübernahme durch deutsche Krankenkassen wird bald erhofft.
Weitere Informationen: Website des Forschungszentrums Jülich (externe Seite)
Hotline zum Jülicher Neurostimulator für Tinnitus-Patienten: Telefon ANM GmbH: 0221 454 6333