Kiefergelenk-Diagnostik
Das Kiefergelenk ist ein sehr kompliziertes Gelenk. Seine mechanische Belastung ist normalerweise gering, da der Unterkiefer von Muskeln gehalten wird. Dem Kiefergelenk kommt aber eine wichtige Steuer- und Führungsfunktion zu!
Das Kiefergelenk besteht aus der Gelenkpfanne, dem Gelenkkopf und einer dazwischen liegendenden ovalen Knorpelscheibe, dem Discus. Die Gelenkpfanne ist in ihrer Form nicht mit anderen Gelenken vergleichbar, da es kein reines Drehgelenk ist.
1. Schlussbiss, 2. beginnende Mundöffnung, 3. weite Öffnung -Kiefergelenk vor
Das Kiefergelenk führt nur beim ersten Zentimeter der Mundöffnung eine Drehbewegung durch. Bei weiterer Mundöffnung wird das Kiefergelenk auf einer wellenförmigen Bahn muskulär nach vorne geführt. Dabei wird der Discus teilweise mitgenommen, bleibt beim gesunden Gelenk aber immer auf dem Gelenkkopf. Zu Beginn dieser Bewegung liegt der Discus am Vorderrand, am Ende dieser Bewegung am Hinterrand des Gelenkkopfes.
Die Bewegungen werden von Nerven gesteuert und von vielen Muskeln ausgeführt. Am Gelenkkopf selbst und am Discus setzt ein Muskel an.
Gelenkknacken z.B.ist zumeist ein Zeichen dafür, dass der Discus zwischen Gelenkkopf und –pfanne heraus- oder wieder zurückspringt. Das Knackgeräusch ist allerdings nur ein indirektes Symptom (=Anzeichen ) für einen krankhaften Vorgang. Wir wünschten uns einen direkten Einblick ins Gelenk, der jedoch nicht ohne operativen Eingriff möglich ist.
Heute gibt es jedoch Möglichkeiten, die Vorgänge im Kiefergelenk auch ohne operativen Zugang sichtbar zu machen. Magnetresonanztomografie ( MRT, Kernspin ) z.B. ist ein ( allerdings teurer ) Weg, der in der Medizin für solche Aufgaben beschritten wird.
Mechanische Funktionsanalyse
wird seit Jahrzehnten in der Zahnheilkunde angewandt. Bei der mechanischen Funktionsanalyse werden die Kiefergelenkbewegungen außerhalb des Kopfes auf Milimeterpapier übertragen.
Elektronische Funktionsanalyse
CADIAX Compact 2 Funktionsanalyse
seit Jahren als Weiterentwicklung verfügbar. Sensoren messen die Kieferbewegungen und der Computer berechnet die Bewegung der Kiefergelenke.
- Es gibt mehrere Verfahren, zum Beispiel:
- Condylocomp LR3
- ARCUSdigma (KaVo)
- CADIAX Compact (Gamma Dental)
- CADIAX Compact 2 (Gamma Dental)
Links: Computersteuerung der Funktionsanalyse
Rechts: CADIAX-Ausdruck der Kiefergelenk-Bewegungen
CADIAX 3D-Animation
Die Bewegung der Kiefergelenke wird dabei in allen drei Ebenen des Raumes ( =dreidimensional ) sichtbar gemacht. Bei krankhaft veränderter Kiefergelenkfunktion geben Unebenheiten im Bewegungsablauf Aufschluss über Fehlsteuerungen. Ferner kann die Lage der Kiefergelenke in Ruhestellung auf Fehler überprüft werden.
- Die Fehlsteuerungen können viele Ursachen haben:
- Muskuläre Fehlfunktionen z.B. durch Verkrampfungen, Verspannungen, Seitenungleichheit der linken und rechten Muskeln, Überbelastungen.
- Gewohnheiten („Habits“, „Parafunktionen“) wie Pressen auf Zähnen, Zungenpressen, Wangenpressen.
- Überbelastung der Muskulatur durch Fehlbelastung im Zusammenbiss.
- Schwächung der Bänder des Kiefergelenkes durch Überdehnung.
- Störungen im gesamten Bewegungsapparat: Fehlhaltungen durch Wirbelsäulenschäden, Blockaden im Becken-, Rücken-, Halsbereich und beruflich bedingte Haltungsschäden sowie muskuläre Schwäche im Rückenbereich haben über die Halsmuskulatur Auswirkungen auf die Muskeln, die den Unterkiefer bewegen (Kaumuskulatur...) und wirken somit auch auf die Muskeln für die Kiefergelenkbewegung.
- Nervöse Fehlsteuerung als Folge von Nervenerkrankungen.
- Krankhafte Veränderungen der Kiefergelenke.
- Verschleißerscheinungen, Abnutzung oderAbbau der Kiefergelenke.
Übertragung der Relation Kiefer/
Kiefergelenk
Die Funktionsanalyse schließt eine Lücke in der Diagnostik, beantwortet aber nicht alle Fragen. Die gewonnenen Ergebnisse müssen im Zusammenhang mit anderen Diagnosen im Mund-, Kiefer- Gesichtsbereich und allgemeinmedizinischen, orthopädischen, internistischen, neurologischen ..... Diagnosen beurteilt werden.