Parodontalbehandlung (zurück zur Übersichtsseite)

Dr. Bernd SteinseiferKnochentaschen (große Pfeile) und
Furkationsbefall (=Knochenabbau im
Wurzelzischenrum, kleiner Pfeil)


Antibiotika-Behandlung bei Parodontitis

Antibiotika in Form von Saft oder Tabletten dringen nicht ausreichend in den Biofilm in der Zahnfleischtasche ein. Die für die Parodontitis verantwortlichen Bakterien werden dadurch nicht ausreichend abgetötet, wohingegen aber eine Schädigung oder Veränderung der normalen bakteriellen Mundflora erfolgt. Dies begünstigt das Entstehen von Pilzerkrankungen und Infektionen mit solchen Bakterien, die unempfindlich gegen das verwendete Antibiotikum sind

Aus diesen Gründen und wegen der Schädlichkeit der Antibiotika für andere Organe des Körpers (Niere, Leber) erfolgt im Regelfall eine Gabe von Antibiotika nur nach vorherigem Markerkeim-Test. Bei nachgewiesenen Markerkeimen ist die Antibiotika-Therapie im Rahmen der Parodontalbehandlung aber unbedingt nötig!

Dr. Bernd SteinseiferKnöcherne Regeneration in den
Knochentaschen und Verminderung
des Furkationsbefalls 13 Monate
nach Parodontalbehandlung mit
Antibiotika

  1. Bei speziellen, besonders gefährlichen Parodontitisformen wird aber sofort mit Antibiotika behandelt:
    • Parodontalabszess mit Tendenz zur Ausbreitung mit Fieber und Lymphadenitis
    • nekrotisierende ulzeröse (= geschwürige) Gingivitis/Parodontitis, ggf. mit Fieber und Lymphadenitis
    • schwere generalisierte Parodontitis bei Allgemeinerkrankungen wie Diabetes ("Zuckerkrankheit") und HIV (Aids)

Die Antibiotika-Behandlung sollte in den meisten Fällen im Zusammenhang mit einer Parodontitis-Behandlung durch den Zahnarzt und in Verbindung mit begleitender bakterienabtötender Behandlung durch Spülung mit Chlorhexidindigluconat-Lösung erfolgen.

Örtliche Antibiotika-Behandlung bei Parodontitis

Für spezielle Fälle ( z.B. einzelne tiefe Taschen an wichtigen Zähnen ) gibt es die Möglichkeit der örtlichen Anwendung von Antibiotika. Seit 2008 ist in Deutschland Arestin® erhältlich. Arestin® beinhaltet das Antibioticum Minocyclin. Arestin® liegt in Form kleinster Kügelchen vor, die nach Reinigung der Tasche dort eingebracht werden. Sie kleben auf der Wurzeloberfläche und geben über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen Minocyclin in ausreichender Konzentration an die Taschenflüssigkeit ab. Arestin® muss nicht in einem zweiten Eingriff aus der Tasche entfernt werden.