Parodontalbehandlung (zurück zur Übersichtsseite)

Bakterientest

Bakterientest bei Parodontitis

Mikrobiologische Untersuchungen im Rahmen der Parodontalbehandlung (Markerkeim-Test)

Die Parodontitis ist eine von Bakterien ausgelöste und unterhaltene entzündliche Erkrankung. Die auslösenden Bakterien befinden sich im Biofilm auf der Wurzeloberfläche in der Zahnfleischtasche. Bisher sind über 500 Bakterienarten nachgewiesen. Generell unterscheiden wir aerobe und anaerobe Bakterien. Die anaeroben können im Gegensatz zu den aeroben Keimen nur in sauerstofffreier Umgebung leben. Wir verzeichnen heute eine Verschiebung zu Gunsten dieser anaeroben Keime.

Neben einer großen Zahl unterschiedlicher Bakterien, die gar keine oder nur eine leichte chronische Parodontitis auslösen und unterhalten können, findet sich vermehrt ein Übergewicht einer kleinen Zahl von anaeroben Keimen, die für die aggressive Parodontitis verantwortlich sind. Sie zerstören den Knochen um die Zähne herum, unterhalten die Entzündung, die Blutung und leben vom Blut ihrer „Opfer“. Wir bezeichnen diese Bakterien als parodontale Markerkeime.

Es wurde nachgewiesen, dass diese Bakterien auch in der Blutbahn gelangen und dort das Entstehen von Herzinfarkten und Schlaganfällen begünstigen. Die Bekämpfung der parodontalen Markerkeime im Rahmen der Parodontalbehandlung ist somit eine wichtige Vorbeugung gegen diese gefährlichen Krankheiten.

Zwar gibt es für den Nachweis mancher Keime schon Bakterienschnelltests und durch Anzüchtung von Bakterien auf Nährböden ( Bakterienkulturen ) können sogar die Eigenschaften von Keimen untersucht werden, z. B. ihre gewebezerstörende Kraft oder ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika. Doch dies gilt nicht für Anaerobier! Holt man sie aus dem Schutz des Biofilms heraus und bringt sie mit der Luft in Kontakt, so sterben sie augenblicklich und können nicht mehr angezüchtet werden. Hier benötigt man lückenlos sauerstofffreie Verfahren und spezielle Nährmedien. Wegen dieser Schwierigkeit werden anaerobe Keime durch Gentest nachgewiesen, d.h. ihr Erbmaterial wird nachgewiesen. Dies ist der Beweis für ihre Existenz, auch wenn sie schon abgestorben sind.

Völlig schmerzlos saugt der Zahnarzt mit Papierspitzen bakterienhaltige Flüssigkeit aus der Zahnfleischtasche. In mikrobiologischen Instituten wird daraus das Bakterien-Erbmaterial gewonnen. Typische Teile dieses Erbgutes werden markiert und dann vermehrt bis ein Nachweis möglich ist.

  1. Der Markerkeimtest ist notwendig bei:
    • aggressiver Parodontitis
    • schwerer chronischer Parodontitis
    • Parodontitis bei Allgemeinerkrankungen wie Diabetes („Zuckerkrankheit“) und HIV (Aids)
    • Rezidiven ( = Neu-Erkrankungen ) nach vorangegangener Parodontalbehandlung.

Je genauer die Information über die auslösenden Bakterien ist, desto gezielter kann dann eine Antibiotika-Behandlung im Rahmen der Parodontalbehandlung eingesetzt werden.