Zahnersatz und Kronen (zurück zur Übersichtsseite)


Totalprothesen

Wie viel Arbeit und Mühe ist es wert, einen einzelnen Zahn z.B. durch Wurzelbehandlung, Stiftaufbau und Krone zu erhalten.

  1. Nun möchten Sie achtundzwanzig neue Zähne bekommen.
    • Sie wollen damit sprechen ohne zu lispeln.
    • Sie wollen damit kauen wie mit den Eigenen.
    • Und niemand soll Ihnen ansehen, dass es nicht mehr die Eigenen sind.
    • Oder noch besser: Sie möchten schöner aussehen als mit den Eigenen.
    • Und natürlich möchten Sie die Jugend zurückgewinnen, das Lachen und Strahlen.
    • Selbst die charaktervollen Fältchen im Gesicht sollen verschwinden.
     

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Schönheitschirurgen, zum Logopäden, zum Chirurgen, zum Orthopäden...
- Und ihr Zahnarzt / ihre Zahnärztin soll mit den neuen Totalprothesen all diese Wunder zugleich vollbringen.

Überzogen?

Ich glaube nicht. Sie wollen nämlich wirklich viel mehr als nur achtundzwanzig neue Zähne! Unbewusst fordern Sie den ganzen Katalog und darüber hinaus muss auch der mit den Zähnen verlorengegangene Teil von Ober- und Unterkiefer ersetzt werden. Was stellen Sie als Grundlage für all die kleinen Wunder zur Verfügung? In Ihrem Munde findet sich ein schmaler Grat oder sogar nur eine Vertiefung als Grundlage für die Unterkieferprothese. Der Oberkiefer ist fast flach wie ein Teller und die Schleimhaut gibt unterschiedlich nach. Zudem herrscht fast Trockenheit oder ein Rinnsal wässrigen Speichels verspricht wenig Hilfe bei dem Bemühen, durch einen Saugeffekt der Prothese Halt zu geben.

  1. Und um diese dürren und schwachen Fundamente herum tobt ständig ein Erdbeben:
    • Die Zunge, ein unheimlich starker Muskel, formt die Sprache und ist dabei ständig in Bewegung!
    • Die Zunge bringt die Speise in Position. Auf einen Fremdkörper wie ihre Prothese nimmt sie dabei keine Rücksicht.
    • Die Muskeln des Gesichtes verleihen Ihren Gefühlen Ausdruck (Mimik) und die Bewegung der Muskeln überträgt sich auf die Schleimhaut der Wange.
    • Die Lippe, ein starker Ringmuskel, kann beides: Formen der Sprache und Formen des Gesichtsausdruckes. Auch sie ist in ständiger Bewegung und übt starken Druck aus.
    • Aber dennoch braucht die Lippe Unterstützung! Was zeichnet das Alter stärker als eingefallene Lippen?
     

Leider kann Ihr Zahnarzt/Ihre Zahnärztin nicht alle die von Ihnen erhofften Wunder vollbringen. Doch sind die Ergebnisse recht ansehnlich und verhungern müssen Sie auch nicht. Aber all die Mühe von Zahnarzt / Zahnärztin und Zahntechniker/in sind ihnen nicht viel mehr als den Preis wert, den die eingangs erwähnte Rettungsaktion für einen einzelnen Zahn kostet, oder?

Wenn das so ist, dann sollten wir das Thema wechseln. Hier bitte nicht mehr weiterlesen!

Sie möchten dennoch mehr wissen, weil Sie sich auch mehr wert sind?

Gut!

Ihr Zahnarzt / Ihre Zahnärztin und auch die Zahntechniker/innen sind gerne bereit, sich für Sie alle erdenkliche Mühe zu geben. Die Gebührenordnungen der gesetzlichen Krankenkassen sind leider in den Sechziger Jahren stehen geblieben. Zudem wurde der Punktwert für zahnärztliche Zahnersatzleistungen um 10% verringert. Ein ausreichendes Honorar ist also im Rahmen der Kassenleistung nicht mehr gewährleistet. Es ist daher leider unumgänglich, am Ende auch über Geld zu sprechen.

Auch beim Autohändler können Sie nicht mehr das Sechziger-Jahre-Modell zum Preis von 1968 kaufen.

  1. Was will ihr Zahnarzt/ihre Zahnärztin besser machen?
    • Dem Zahntechniker soll die alte Situation als Anhalt übermittelt werden .
    • Die Erkenntnisse über die Funktion des Kauorgans sollen berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass die Lage von Ober- und Unterkiefer zu den Kiefergelenken festgestellt werden muss und dem Zahntechniker/der Zahntechnikerin übermittelt wird.
    • Es wird eine Anprobe zur Beurteilung des Aussehens durchgeführt.
    • Es wird eine Anprobe zur Beurteilung der Aussprache durchgeführt. (Evtl. in Verbindung mit der vorherigen Anprobe.)
    • Einige Tage nach Eingliederung der Prothesen wird die Lage der Prothesen unabhängig von der Verzahnung erneut festgestellt. Hier zeigt sich meist, dass sich die Prothesen nicht überall gleichmäßig in die unterschiedlich weiche Schleimhaut eingelagert haben. Dadurch sind Druckstellen vorprogrammiert, denn der tatsächliche Zusammenbiss stimmt nicht mehr mit dem von Zahnarzt und Zahntechniker gewollten gleichmäßigen Aufbiss überein, und es kommt so zu Fehlbelastungen. Diese „Fehlentwicklung“ muss korrigiert werden. Nach dieser neuen Bissregistrierung des Zahnarztes/der Zahnärztin werden die Prothesen vom Zahntechniker/in in neuer, richtiger Lage aufeinander angepasst.
     
  1. Was will der Zahntechniker/die Zahntechnikerin besser machen?
    • Die Zähne sollen nach Gesichtspunkten der Funktionslehre aufgestellt werden.
    • Die Zähne sollen zu Ihnen passen, Ihrem Typ entsprechen. Sie sollen sich „wiederfinden“. Ihre Wünsche sollen verwirklicht werden. Die Zahnstellung soll natürlich sein. Der Zahntechniker/Die Zahntechnikerin wird vor Anfertigung der Prothesen hinzugezogen, um alle Fragen mit Ihnen zu klären.
    • Nach der Herstellung der Prothese als Wachsmodell ändert der Zahntechniker/die Zahntechnikerin die Aufstellung der Zähne bis sie Ihnen gefällt.
    • Sie sollen ohne Probleme sprechen können. Eine Eingewöhnung soll so kurz wie möglich sein. Der Zahntechniker ändert die Stellung der Zähne auch unter Phonetik-Gesichtspunkten (Phonetik = Aussprache)
    • Die Korrektur der ungleichmäßigen Lageveränderung (siehe oben) nach neuer Bissregistrierung des Zahnarztes/der Zahnärztin ist die Aufgabe des Zahntechnikers/der Zahntechnikerin.
     

Das ist der heute wünschenswerte Standard unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Doch mit der Eingliederung der Prothesen ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Manche Zahnärzte sagen, dass nun erst die erste Hälfte des Weges zurückgelegt ist.

Die zweite Hälfte ist die Eingewöhnung der Prothese, das erneute „Kauen lernen“. Kauen ist ein fast unbewusster, sagen wir „automatischer“ Vorgang wie Gehen oder Sprechen. Man überlegt sich nicht die nächste Bewegung, die man mit seinem Unterkiefer machen will. Aber das will mit neuen „Kauwerk-zeugen“ gelernt sein. Man ( = Patient/in ) macht Fehler und belastet nicht gleichmäßig. Es kommt zu Druckstellen. Vielleicht sind auch Prothesenränder ungewohnt dick oder ein Zahn ist doch ´mal „im Wege“ oder man beißt sich in die Wange. Durch diese schwierige Zeit begleitet der Zahnarzt/die Zahn-ärztin den Patienten/die Patientin geduldig: Es werden drückende Stellen an den Prothesen entfernt und Druckstellen an der Schleimhaut behandelt, es werden Prothesenränder gekürzt und ausgedünnt und störende Zähne eingeschliffen.

Das alles gehört dazu und ist total normal. Zumeist dauert diese Phase höchstens sechs Wochen.

  1. Eines wollen wir nicht verschweigen: Jenseits dieser modernen Standardausführung der Totalprothesen, die wir als die „Mindest-Ausführung“ ansehen, die aber auch bereits deutlich über das „Kassenmodell“ hinausgeht, gibt es noch die „Premium-Ausführung“:
    • Die konfektionierten Zähne (= „Zähne von der Stange“) werden nach Patientenwunsch oder nach Vorlage (alte Fotos) individuell charakterisiert, also verändert.
    • Der Prothesenkunststoff wird individuell geformt und eingefärbt (Zahnfleischrötungen, Zahnfleischfalten), also der Natur täuschend echt nachempfunden.
    • Die Zähne werden vom Zahntechniker so beschliffen, wie sie einem altersgemäß abgenutzten Gebiss entsprechen, so als wären sie schon immer da gewesen.
     

Die Natur zeichnet sich dadurch aus, dass nicht alles fehlerfrei und makellos ist. Die höchste Erfüllung für Zahnarzt/Zahnärztin und Zahntechniker/in stellt eine Prothese dar, die man nicht als künstlich erkennt. Mut zum Fehler, Mut auch zum vordergründig Hässlichen sind dann schon ´mal gefragt. Natürlich muss das Bewusstsein des Patient/der Patientin auf gleicher „Wellenlänge“ liegen.